Pressemitteilung
Berlin, 08.10.2026
Der am 30. September vorgestellte Bericht der Ostbeauftragten 2026 hebt die Bedeutung von Soziokultur für kulturelle Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Entwicklungsmöglichkeiten in Ostdeutschland hervor. Ausdrücklich genannt werden dabei der Fonds Soziokultur und dessen Nachwuchsprogramm U25. Vor diesem Hintergrund kritisiert der Bundesverband Soziokultur die für 2027 geplanten Kürzungen beim Fonds und fordert verlässliche Förderbedingungen für soziokulturelle Projekte und Einrichtungen.
Der Bericht der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser trägt den Titel „In Bewegung bleiben. Was Menschen voranbringt. Was Chancen schafft.“ und widmet der Kulturförderung ein eigenes Kapitel. Anlässlich seiner Vorstellung bezeichnete Kulturstaatsminister Wolfram Weimer Kulturförderung auch als Struktur- und Standortpolitik.
Soziokultur schafft Orte für Begegnung und Mitgestaltung
Der Fonds Soziokultur stärkt dem Bericht zufolge partizipative Kulturarbeit und fördert insbesondere kleine Vereine, lokale Initiativen und junge Projektträger*innen. Für Ostdeutschland sei diese Förderung von besonderer Bedeutung, weil viele Angebote von Bürger*innen initiiert werden und auf überwiegend ehrenamtlich geprägten Strukturen beruhen. Der Fonds könne dazu beitragen, diese Arbeit zu professionalisieren und dauerhaft zu verankern.
Ausdrücklich verweist der Bericht auch auf das Programm „U25 – Richtung: Junge Kulturinitiativen“. Es eröffne jungen Menschen berufliche Orientierung im Kulturbereich und fördere Bleibeperspektiven. Auch Ehrenamtliche könnten durch die geförderte Arbeit Schritte ins Hauptamt gehen, während Kulturschaffende zusätzliche Qualifikationen und Verantwortungsbereiche übernehmen.
Soziokulturelle Projekte schaffen laut Bericht Orte, an denen Menschen zusammenkommen, eigene Ideen einbringen und ihre Umgebung aktiv mitgestalten können. Gerade in kleineren Städten und ländlichen Regionen entstünden dadurch Treffpunkte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
„Der Bericht beschreibt sehr klar, was soziokulturelle Einrichtungen und Projekte vor Ort leisten: Sie ermöglichen Teilhabe, bringen Menschen zusammen und eröffnen Räume für eigenes Engagement. Wenn die Bundesregierung diese Wirkung anerkennt, muss sich das auch in verlässlichen Förderbedingungen widerspiegeln“, sagt Kristina Rahe, kulturpolitische Geschäftsführung des Bundesverbands Soziokultur.
Anerkennung muss sich in der Förderung widerspiegeln
Diese Anerkennung steht aus Sicht des Bundesverbands im Widerspruch zur aktuellen Förderentwicklung. Im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 sind für den Fonds Soziokultur 2,9 Millionen Euro vorgesehen. 2026 stehen rund 3,58 Millionen Euro zur Verfügung. Gleichzeitig übersteigt die Nachfrage die vorhandenen Mittel deutlich: Von 1.425 beantragten Projekten konnten 2026 lediglich 200 gefördert werden. Die Förderquote lag damit bei rund 14 Prozent.
Das Förderprogramm „Profil: Soziokultur“ zur Organisationsentwicklung musste 2026 bereits ausgesetzt werden. Auch beim Nachwuchsprogramm U25 drohen 2027 Einschnitte.
„Es passt nicht zusammen, die Bedeutung der Soziokultur für Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorzuheben und gleichzeitig eines ihrer zentralen Förderinstrumente weiter zu schwächen. Besonders deutlich wird dieser Widerspruch beim Programm U25: Der Bericht würdigt seine Wirkung für junge Menschen, während seine Finanzierung unter Druck steht. Der Haushaltsansatz für den Fonds Soziokultur muss im parlamentarischen Verfahren korrigiert werden“, so Rahe.
Soziokulturelle Infrastruktur verlässlich sichern
Aus Sicht des Bundesverbands braucht es über die Förderung einzelner Projekte hinaus verlässliche Perspektiven für soziokulturelle Einrichtungen. Mit „Profil: Soziokultur“ hat der Fonds bereits einen Ansatz geschaffen, der die strukturelle Weiterentwicklung soziokultureller Einrichtungen unterstützt. Daran gilt es anzuknüpfen.
Soziokulturelle Einrichtungen schaffen bundesweit Räume für Kultur, Begegnung und Beteiligung. In urbanen wie in ländlichen Räumen sind sie wichtige Orte gesellschaftlicher Infrastruktur. In Klein- und Mittelstädten übernehmen sie dabei häufig eine Ankerfunktion für das regionale Umfeld und wirken weit in umliegende Gemeinden hinein. Damit diese Orte ihre Arbeit langfristig leisten können, braucht es mehrjährige und verlässliche Fördermöglichkeiten, die nicht ausschließlich an einzelne Projekte gebunden sind.
Der Bundesverband fordert deshalb, die geplante Kürzung beim Fonds Soziokultur im parlamentarischen Verfahren abzuwenden und den Fonds bedarfsgerecht auszustatten. Zugleich gilt es, die soziokulturelle Infrastruktur bundesweit durch verlässliche Finanzierungsmodelle dauerhaft zu sichern.
Weiterführende Links
Bericht der Ostbeauftragten 2026 – Der vollständige Bericht „In Bewegung bleiben. Was Menschen voranbringt. Was Chancen schafft.“
Kulturförderung in Ostdeutschland stärkt auch Wirtschaft und Gesellschaft – Pressemitteilung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Vorstellung des Berichts
Pressemitteilung online – Die Pressemitteilung zum Ostbericht 2026 zum Nachlesen auf soziokultur.de
Fonds Soziokultur: Kürzungen 2027 – Meldung des Fonds Soziokultur zum Haushaltsansatz 2027
Kontakt
Kristina Rahe
Telefon: +49 30 235 93 05 0
E-Mail: bundesverband@soziokultur.de